Blackout

20/02/18
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Blackout entführt den Zuschauer in eine düstere, prä-apokalyptische Phantasmagorie, die Elemente von Horrorfilmen mit den tiefgründigen Verzweigungen eines psychologischen Thrillers verbindet. Die Handlung spielt sich ausschließlich in den Studios eines lokalen Fernsehsenders ab. Ein kleinkarierter, doch beliebter Meteorologe entdeckt in seinen Wetteranalysen kleine, saisonale Unregelmäßigkeiten im Klima. Er ahnt Böses. Die Außenwelt schenkt dem lokalen Wetterfrosch jedoch wenig Glauben, während sich das Wetter fast unscheinbar verändert. Zur gleichen Zeit verwickelt sich eine japanische Wissenschaftlerin auf Durchreise in einen dubiosen Autounfall und immer  wieder erscheinen zwei bizarre Schwestern vor der Haustür und predigen von einer herannähenden Apokalypse.

Die Natur und die unberechenbare Kraft des Wetters schleichen sich langsam in die übersichtliche Realität der biederen Fernsehberühmtheit und entblößen irrationale und zerstörerische Züge. Die bedrohliche Wirkung, die Wetterschwankungen auf den Menschen und dessen Innenleben haben wird immer deutlicher. Das Stück ist eine Liebeserklärung an den Horrorfilm und die Schauerliteratur aus der Gotik. Claire Thill und ihr kreatives Team spielen bewusst mit typischen Motiven und Spannungsbögen des Horrorgenres, ohne je die fantastische Welt des Theaters mit all ihren formalen Möglichkeiten und Einschränkungen aus den Augen zu verlieren.

Ausgangspunkt für das Konzept ist das Jahr 1816, das als das berüchtigte "Jahr ohne Sommer" in die Annalen der Geschichtsbücher einging. Damals litten große Teile Europas unter einer ungewöhnlichen Kaltewelle und einer erdrückenden Finsternis. Hauptursache für die extremen Wetterbedingungen war der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815, der große Massen an Schwefelpulver in die Atmosphäre beförderte. Dies hatte weltweit verheerende Folgen. Die anhaltende Schlechtwetterperiode führte zu Missernten, Hunger, Krankheiten und sozialen Revolten. Auf den verregneten, viel zu kalten Sommer des Jahres 1816 folgte in weiten Teilen Europas das berüchtigte Hungerjahr 1817.

In verschiedenen kulturellen und spirituellen Kreisen wurde von einer imminenten Apokalypse gesprochen. Dies spiegelte sich auch in der Literatur wieder. Es war der Höhepunkt der Romantik und besonders die Schauerliteratur fand großen Anklang.

Im Sommer 1816 befanden sich Mary und Percy Shelley, Lord Byron und John Polidori in der abgelegenen Villa Diodati am Genfer See. Wegen des schlechten Wetters konnten sie das Haus oft nicht verlassen und erzählten sich gegenseitig Gruselgeschichten. Inspiriert durch die düstere Atmosphäre entstanden Mary Shelleys Frankenstein und Polidoris Der Vampir. Auch Lord Byron verarbeitete seine pessimistischen Eindrücke in dem Gedicht Die Finsternis.

Blackout greift die gotisch-romantischen Ideale einer unberechenbar mächtigen Natur auf, die Untergangsstimmung von 1816, und verknüpft diese mit der Dramaturgie eines modernen Horrorfilms.

Independent Little Lies (ILL) ist ein interdisziplinäres Theaterkollektiv, das Theaterleute, Künstler, Pädagogen und Kunstbegeisterte zusammenbringt. Unsere Produktionen und Kulturveranstaltungen behandeln soziale und zeitgenössische Themen in vier verschiedenen Sprachen. 1995 gegründet, ist ILL bereits seit mehr als 20 Jahren fester Bestandteil der Luxemburger Kulturszene. Wir erfinden uns ständig neu, sind durchgehend auf der Suche nach neuen Partnerschaften mit lokalen und internationalen Künstlern und Produzenten und fordern das traditionelle Verständnis darstellender Künste heraus. Dabei bieten wir aufstrebenden Künstlern eine Gelegenheit, ihre Kreativität weiterzuentwickeln.




Mit Marc Baum, Larisa Faber, Pascale Noé Adam, Sayoko Onishi u.a. Regie, Konzept & Text Claire Thill
Dramaturgie und Regieassistenz Oliwia Blender
Musik Emre Sevindik
Video Melting Pol
Choreographie & Tanz Sayoko Onishi
Produktionsleitung und Kommunikation Jill Christophe Produktion Independent Little Lies
Koproduktion Centre culturel Kulturfabrik Esch-sur-Alzette, Les théâtres de la Ville de Luxembourg, Centre culturel régional opderschmelz Dudelange
Mit der Unterstützung des Ministère de la Culture, des Fonds Culturel National, de la Fondation Indépendance et SACEM LuxembourgMardi 20  FÉVRIER 2018 à 20h00 (tickets)
Mercredi 21  FÉVRIER 2018 à 20h00 (tickets)

DURÉE environ 1h30 (pas d'entracte) Einführung zum Stück eine halbe Stunde vor jeder Vorstellung (in Deutsch)
Adultes 20 €, 15 €, 8 € / Jeunes 8 € / Kulturpass bienvenu
Lieu: Théâtre des Capucins