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face arrière du bâtiment (© CNA, Romain Girtgen )
 

Kino

"Hollyburg" in der Großregion?

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Zusammenfassung

Die ersten bewegten Bilder Luxemburgs werden 1899 von einem Kameraassistenten der Gebrüder Lumière gedreht. Bis in die Zwanziger Jahre hinein sind es vorwiegend Cineasten auf der Durchreise und vereinzelte Kinobesitzer, die Ereignisse oder Veranstaltungen in Luxemburg auf Film festhalten und sie anschließend ihrem Publikum vorführen.

 


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Doch trotz einiger sporadischer Versuche, Initiativen, welche die Bezeichnung Filmindustrie verdient hätten, auf den Weg zu bringen, wird der erste Spielfilm eines Luxemburger Regisseurs erst 1970 fertiggestellt (L’Amour, oui mais… ! von Philippe Schneider). Der erste Film in Luxemburgischer Sprache wird erst 1981 vom AFO, einem Verband begeisterter Amateurfilmemacher, gedreht (Wat huet e gesot?). Der Film findet ein großes Publikum und spornt den AFO dazu an, sich an einem zweiten Filmprojekt zu versuchen. Congé fir e Mord wird noch erfolgreicher als sein Vorgänger und inspiriert eine neue Generation von Filmemachern wie Andy Bausch, die sich der Kinokultur nun intensiver widmen, ihre Projekte aber weiterhin aus eigenen Mitteln finanzieren.

1987 dreht Andy Bausch Troublemaker mit dem Schauspieler Thierry Van Werveke, der zum Inbegriff des Luxemburger Kultfilms wird. Der AFO ebenso wie Andy Bausch scharen bald zahlreiche junge, ehrgeizige Kinointeressierte um sich, die anschließend zum Filmstudium ins Ausland gehen. Erst 1988 unternimmt die Regierung konkrete Anstrengungen zur nachhaltigen Unterstützung der Luxemburger Filmindustrie. Schacko Klak (Paul Kieffer/Frank Hoffmann, 1989), ist der erste Film, dessen Produktion anlässlich des hundertfünfzigsten Jahrestags der Unabhängigkeit zu fast hundert Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. 1988 werden mit dem System der Bescheinigungen für Investitionen im audiovisuellen Bereich (certificats d’investissement audiovisuel - CIAV) ein steuerbegünstigtes Instrument eingeführt, das gefolgt von der Gründung des Nationalfonds zur Unterstützung audiovisueller Produktionen (Fonds national de soutien à l’audiovisuel), kurz Filmfonds (www.filmfund.lu), 1989 eine neue kulturpolitische Ära einläuten. Der zweistufige Förderungsrahmen erleichtert die Finanzierung Luxemburger Produktionen und Koproduktionen. Ebenfalls 1989 wird das nationale Zentrum für audiovisuelle Kunst (Centre national de l’audiovisuel, CNA) zum Schutz und zur Aufwertung des Luxemburger Filmerbes ins Leben gerufen.

Seit 1989 hat sich die Luxemburger Filmindustrie fortwährend professionalisiert und beschäftigt heute rund 600 Personen direkt oder indirekt. Pro Jahr werden durchschnittlich fünfzehn Spielfilme, ein halbes Dutzend Dokumentarfilme und etwa zehn Kurzfilme in Luxemburg produziert oder koproduziert. Filmschaffende sind durch Berufsverbände wie ULPA (Produzenten), LARS (Regisseure und Drehbuchautoren), ALTA (Techniker) oder ACTORS.LU (Schauspieler) vertreten. Im Dezember 2012 haben diese Vereinigungen eine nationale Filmakademie D'Filmakademie (www.filmakademie.lu) gegründet, die zum Ziel die Förderung und Bewerbung nationaler Filmkreationen hat und gleichzeitig als Abstimmungsorgan zwischen den repräsentativen Mitgliedern des Sektors dient. Die Filmakademie organisiert auch den Lëtzebuerger Filmpräis in Zusammenarbeit mit dem Filmfonds.

Zwei fachgerecht ausgestattete Studios stehen für Dreharbeiten zur Verfügung: Studio Luxembourg in Contern und Filmland Luxembourg in Kehlen, welches aus einer gemeinsamen Initiative mehrerer Luxemburger Produktionsfirmen heraus entstanden ist. Das CNA beherbergt ebenfalls ein kleines Studio, das gelegentlich für Dreharbeiten genutzt werden kann.

 

Koproduktionen

Im Rahmen europäischer Koproduktionen drehten bereits zahlreiche ausländische Filmcrews in Luxemburg. Hierzu gehören Girl With a Pearl Earring von Peter Webber mit Scarlett Johansson (2003), The Merchant of Venice von Michael Radford mit Al Pacino (2004), Comme t’y es belle von Lisa Azuelos (2006), Irina Palm von Sam Garbarski mit Marianne Faithfull (2007), A perdre la raison von Joaquim Lafosse mit Emilie Dequenne (2012) und Möbius von Eric Rochant mit Jean Dujardin (2013).

 

Kurzfilme

Die meisten einheimischen Regisseure experimentieren zu Beginn ihrer Karriere mit dem Kurzfilmgenre. Kurzfilme werden (nach Auswahl) vom Filmfonds mit recht großzügigen Mitteln unterstützt.

 

Dokumentarfilme

Aufgrund der Tatsache, dass es in Luxemburg keinen Fernsehsender gibt, der Dokumentationen zu sozialen und gesellschaftlichen Themen produziert, hat die Filmindustrie diese Rolle übernommen. So schneiden die Dokumentarfilme der Regisseurinnen und Regisseure Geneviève Mersch (Le pont rouge, 1991; Roger, 1996), Christophe Wagner (Ligne de vie, 2002; Doheem, 2005), Yann Tonnar [Weilerbach, 2008; Mir wëllen net bleiwen (in Zusammenarbeit mit Pascal Becker), 2010; Schrebergaart, 2011] oder Julie Schroell (De Bauereblues, 2011) gesellschaftskritische Themen an.
Weitere Dokumentarfilme beleuchten das Leben herausragender Kulturpersönlichkeiten (René Deltgen, der sanfte Rebell, Michael Wenk, 2004; Inthierryview, Andy Bausch, 2008; Monsieur Warum, Andy Bausch 2004; Germaine Damar, der tanzende Stern, Michael Wenk, 2011 usw.). Andere greifen geschichtliche Themen und Ereignisse auf. So zum Beispiel der Publikumserfolg Heim ins Reich von Claude Lahr (2004), eine Koproduktion mit dem CNA, und Léif Lëtzebuerger (Ray Tostevin, 2009), welcher ebenfalls vom CNA mitproduziert wurde. Viele von Andy Bauschs Dokumentarfilmen haben sich ebenfalls dem geschichtlichen Ansatz verschrieben (Entrée d’artistes, 2007; Schockela, Knätschgummi a brong Puppelcher, 2010).

 

Animationsfilme

Mit der Professionalisierung der Filmindustrie Anfang der Neunziger Jahre gewann auch der Animationsfilm erheblich an Bedeutung. Das einzige Ausbildungsangebot Luxemburgs mit Schwerpunkt Film - das Höhere Fachdiplom „Animation“ (brevet de technicien supérieur d’animation) am Lycée technique des Arts et Métiers - ist im Animationsfilmbereich. In den Animationsstudios des Landes entstanden in den ersten Jahren häufig Fernsehserien bevor man sich etwas später auch an Filme in Kurz- und Spielfilmlänge herantraute. Heute erfreuen sich einheimische Animationsstudios in Luxemburg selbst sowie im Ausland eines hervorragenden Rufs. Nennenswerte, in Luxemburg koproduzierte animierte Spielfilme sind unter anderem: The Prodigies (Antoine Charreyron, 2011), Ernest & Célestine (Benjamin Renner, Stéphane Aubier, Vincent Patar, 2012) und Le jour des corneilles (Jean-Christophe Dessaint, 2012).
Auch Regisseure aus Luxemburg, wie Olivier Pesch (Le gardien du nid, 2006; Emilie, 2013) und Claude Grosch [Rose et Violet (in Zusammenarbeit mit Luc Otter), 2011], sind in der Animationsbranche tätig.

 

Spielfilme aus Luxemburg

Nur wenige Luxemburger Regisseure haben sich bisher am Spielfilmgenre versucht. Die Handlung und der Zusammenhang ihrer Werke sind meist international gehalten. So drehte Geneviève Mersch 2003 ihren ersten Spielfilm J’ai toujours voulu être une sainte in französischer Sprache. Andere Regisseure wie Donato Rotunno (In a Dark Place, 2006), Pol Cruchten (Boys on the Run, 2001), Jean-Claude Schlim (House of Boys, 2009), Max Jacoby (Dust, 2009) und Beryl Koltz (Hot, Hot, Hot, 2012) setzen auf die Weltsprache Englisch.

Filme, in denen typisch Luxemburgische Kontexte die Handlung bestimmen, sind selten. Als einer der Pioniere des Genres feiert Andy Bausch 2002 mit Le club des chômeurs einen enormen Erfolg. Es gelingt ihm jedoch nicht, mit seinen nächsten Filmen an diesen Erfolg anknüpfen. Drei Jahre später führt Pol Cruchten bei einer Adaption des Jhemp Hoscheit Romans Perl oder Pica (2006) Regie. 2007 dreht sich der Regisseur Paul Kieffer mit Nuits d’Arabie, mit dem Luxemburger Jules Werner und der Französin Sabrin Ouazani in den Hauptrollen, erneut dem Spielfilm zu. 2009 feiert der Produzent Nicolas Steil mit Réfractaire sein Regiedebüt. Unter den Nachwuchsregisseuren des Landes sind vor allem Laura Schroeder, die 2012 einen Kinderfilm (Schatzritter) dreht, und Christophe Wagner, der sich mit Doudege Wénkel/Angle mort mit großem Erfolg am Krimi versucht, hervorzuheben.

2012 wird entschieden, das System der steuerbegünstigten CIAVs abzuschaffen. In Zukunft werden alle Filme nur noch mittels Direktbeihilfen unterstützt (deren Haushaltsmittel zwecks Ausgleichs aufgestockt werden). Der abgeänderte Gesetzestext wird dem Parlament 2013 vorgelegt.


Autor

Viviane Thill, CNA

29.07.2013



 
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